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Jetzt hau‘ i mi über’d Haiser! Meine 2 Wochen Praktikum in Österreich

Beitragsbild: soundlarge

Also, wie ist es überhaupt zu diesem Praktikum in Österreich gekommen? Wie bin ich in einem Betrieb gelandet, der über 900 km von meinem Zuhause entfernt ist, und der auf den ersten Blick gar nicht so viel mit meiner Ausbildung zum Mediengestalter zu tun hat?

Wer is‘n des?

Hi, ich bin der Lukas. Seit fast einem Jahr mache ich eine Ausbildung zum Mediengestalter Digital und Print im Europäischen Berufsbildungswerk in Bitburg, Deutschland. Um Einblicke in verschiedene Branchen zu bekommen, und so ein breiteres Spektrum an Skills und Erfahrungen zu sammeln, organisiert meine Ausbilderin zusammen mit Erasmus+ jedes Jahr für mehrere Azubis jeweils ein Praktikum in Österreich, genauer gesagt in Graz. Ob in der Filmproduktion, klassischen Werbeagenturen oder eben auch in der Audioproduktion. Und sobald dieses Stichwort fiel – „Audioproduktion“ – wurde ich direkt hellhörig. Privat beschäftige ich mich viel mit Musikproduktionen, habe Spaß am Aufnehmen, Abmischen und Kreativsein – aber halt alles von meinem Schlafzimmer aus.

Aber jetzt kam die Möglichkeit auf mich zu, ein echtes, professionelles Tonstudio von innen zu sehen, die verschiedenen Abläufe kennenzulernen und selber aktiv mitzuwirken. Außerdem hat mich interessiert, wie stark sich die Musikproduktion von dem Produzieren von Radiobeiträgen und Werbespots unterscheiden würde. Aber wie groß kann der Unterschied zwischen Radio und Musik schon sein? Spoiler: sehr groß.

Schnittschulung mit David Bleiberger-KrajncQuelle: soundlarge
Schnittschulung mit David Bleiberger-Krajnc.

Scheiß da nix, sunst reißt a nix – mit Kopfsprung ins Echtgeschäft

Nach dem ersten Tag, der natürlich sehr von Formalitäten und dem Kennenlernen von Mitarbeitern und Arbeitsabläufen geprägt war, stieg ich am zweiten Tag direkt in die Produktion der Radiobeitragsreihe „Wohlfühl- und Gesundheitsratgeber“ mit ein. Und um es mit dem österreichtypischen „Oida“ zu sagen: Sich an einem Nachmittag für 14 Kalenderwochen interessante Themen zu überlegen, und dann auch noch in Bereichen, mit denen man sich gar nicht so gut auskennt – das ist gar nicht so leicht.

Dazu kam dann natürlich auch das Verfassen der Texte zu den Themen, die beim Einsprechen natürlich, und nicht abgelesen klingen sollen. Da habe ich erst richtig gemerkt, wie anders gesprochene Sprache ist: Viel mehr Füllwörter, Denkpausen und Betonungen an den richtigen Stellen und der vollständige Verzicht auf das Präteritum – genau das, wovor mich meine Deutschlehrer immer gewarnt haben. Insgesamt gab es bei allen Produktionsabläufen so viele Dinge zu beachten, über die ich mir vorher nicht einmal Gedanken gemacht habe. Außerdem besteht die Arbeit nicht nur daraus, den ganzen Tag im Studio zu sitzen, sondern mindestens genau so viel aus Recherche und dem Verfassen von Texten.

Gemmas aun – und plötzlich stand ich am Regler

Nach dem Aufzeichnen der Stimmen von Expert/-innen und Moderatorin ging es endlich an den Schnitt und die Produktion. Meine Vorerfahrungen waren hier zwar schon hilfreich, aber weniger als gedacht. Somit durfte ich mir aber einiges an neuem Wissen zulegen, zum Beispiel, dass Radiobeiträge im Gegensatz zu Musikproduktionen oft wesentlich lauter abgemischt sind, die Stimmen viel stärker komprimiert werden und alles insgesamt knalliger klingt. Und während Gesangsstimmen und der Musik oft einer vorgegebenen Melodie und dem Rhythmus des Songs folgen, haben erzählende, bzw. moderierende Stimmen viel mehr Freiheiten, Tempo, Betonung und Satzmelodie zu variieren, was einfach zu anderen Schwierigkeiten im Schnitt führt.

Praktikant Lukas Stolz / Studio AQuelle: soundlarge
Praktikant Lukas Stolz bei der Arbeit in Studio A.

Insgesamt haben der Schnitt und die Produktion mir aber am meisten Spaß gemacht. Zu entscheiden, welcher Take der bessere ist, mehrere gute Passagen verschiedener Takes sauber aneinanderzuschneiden, Lautstärken und Timing anzupassen – das waren die Tage, die wie im Flug vergingen, und die meinen ohnehin schon geringen Durchschnitt an „Wie oft gucke ich am Tag auf die Uhr?“ nochmal weiter reduziert haben.

Zwischendurch wirkte ich auch bei anderen Produktionen mit, sei es durch Themenfindung, Texten, oder sogar durch das alleinige Übernehmen der Regie. Natürlich folgte im Anschluss, bzw. währenddessen immer die notwendige Kontrolle, um mir, als kleinen Schlafzimmer-Musikproduzenten, der zum ersten Mal vor einem bunt blinkenden Mischpult steht, ein bisschen Sicherheit in meinem Tun zu geben. Und die Radiobeiträge, deren Themen ich recherchiert und deren Texte ich geschrieben habe, dann zwei Tage später im Radio zu hören, das war etwas sehr Besonderes für mich.

soundlarge-Crew / ProduktionQuelle: soundlarge
Cheese! Auch für ein gemeinsames Foto muss zwischendurch Zeit sein.

Des geht si heit no aus – eh kloa

Also, nichts von wegen Fantasieaufträge oder typische „Praktikantenjobs“. Ich wurde direkt ins Echtgeschäft eingebunden. Das ist nicht in jedem Praktikum so. Dementsprechend war auch das Feedback sehr ehrlich und direkt und ich habe abends auch gemerkt, dass ich was geschafft habe. So ein Arbeitstag, der vollgestopft ist mit Lernprozessen, Arbeit unter einem gewissen Zeitdruck und der Verantwortung, Dinge zu produzieren, die tatsächlich verwendet und ausgestrahlt werden, kann schon ziemlich erschlagend sein. Den Ausgleich dafür fand ich in der Stadt.

Bis dahin wird no vü Wossa die Mur owirinnen – Graz, die Stadt der Kreativen

Selten hat ein Ort mich so inspiriert. Sei es das Kunsthaus, die Architektur und die ganzen Sehenswürdigkeiten, Street-Art an gefühlt jeder Ecke, oder die kleinen, schön dekorierten Läden und Restaurants, die eng in die Fundamente der Gebäude gepresst sind. Auch die ganzen Vespa-Roller, die hier so herumdüsen, kenne ich aus meiner dörflichen Heimat kaum. Ich habe Stunden damit verbracht, scheinbar ziellos mit meiner Kamera durch die Stadt zu laufen, fotografische Ideen umzusetzen, oder einfach unvorhergesehene Momentaufnahmen zu machen.

Nach den Arbeitstagen war die Stadt mein Weg zur Erholung, und durch Fotografieren, oder einfach bloßem Beobachten, konnte ich meine kreative Batterie wieder aufzuladen. Befindet man sich über längere Zeit nur in derselben Gegend, fährt man sich irgendwann fest. Aus kreativer Sicht hat mir der Aufenthalt in Graz sehr geholfen, neue Eindrücke zu gewinnen, welche mir sowohl hobbymäßig, als auch beruflich weiterhelfen werden. Naja, man nennt Graz ja nicht umsonst „Stadt der Kreativen“.

Aufnahmen Graz / Lukas StolzQuelle: Lukas Stolz
Graz durch die Linse von Lukas Stolz.

Schau ma moi, daun seng ma scho – mein Fazit zum Praktikum in Österreich

Dieses Praktikum in Österreich und der gesamte Aufenthalt waren sehr inspirierend und lehrreich, aber auch sehr fordernd, da ich meine Komfortzone regelmäßig verlassen musste. Aber gerade deshalb würde ich es jederzeit wieder tun. Diese ganzen Eindrücke, Erfahrungen und Lernprozesse werden mich in Zukunft weiterbringen, egal ob in der Audioproduktion oder doch woanders. In Zukunft möchte ich weitere Teilbereiche der Kreativbranche kennenlernen, zum Beispiel Videografie oder 3D-Grafik, um meine gestalterischen Gesamtfähigkeiten zu erweitern und am Ende einen Platz in der Medienlandschaft zu finden, der bestmöglich zu meinen Fähigkeiten und Interessen passt.

Daunk eich schen

In diesem Sinne möchte ich mich bei der soundlarge-Crew für die gesammelten Erfahrungen beim Praktikum hier in Österreich bedanken! Mich so schnell ins Echtgeschäft einzubinden und mir nach und nach immer mehr Verantwortung zu geben, zeugt eurerseits von einer Menge Offenheit gegenüber mir, und dem Willen junge Menschen zu unterstützen, die ihren Weg in die Medienlandschaft suchen. Darüber hinaus habe ich mich bei euch sehr gut aufgehoben gefühlt, sei es das tägliche gemeinsame Mittagessen oder die ganzen lockeren Unterhaltungen zwischendurch. Auch wenn ich selbst nicht der Gesprächigste bin, musste ich beim Zuhören immer wieder schmunzeln oder sogar laut lachen.

Lukas Stolz

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